Partnerschaft kann gelingen!



Als mein Sohn mir bei der Ausarbeitung dieses Vortrages kurz über die Schulter schaute, meinte er lakonisch: "Mach Dich nicht unbeliebt".

Ich werde versuchen, seinen Ratschlag zu beherzigen, und möglichst keine Thesen verbreiten, die zu provokativ oder beunruhigend sind. Andererseits gibt es kein Thema, von dem mehr Menschen persönlich betroffen  und berührt sind als dem Thema Partnerschaft und Liebe. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl von Erfahrungen, Empfindungen und Vorstellungen, die ein jeder von uns hier miteinbringen kann und die durchaus von denen abweichen können, die ich hier zur Sprache bringen werde.


Es gibt einen gemeinsamen Nenner, auf den wir uns bezüglich dieses Themas wahrscheinlich einigen können: wir alle erachten Partnerschaft und Liebe als sehr zentrales Lebensziel und wir alle machen oft die schmerzvolle Erfahrung, daß unsere idealen Vorstellungen von Partnerschaft und die Realität, in der wir uns oft befinden, auseinanderklaffen.

Warum ist dies so?


Bleibt es der Regie des Zufalls oder der Gene überlassen, ob wir in Partnerschaften glücklich werden oder ob Enttäuschungen überwiegen? Ist die Person A von einem dunklen Schicksal dazu verdammt, sich immer in die falschen Personen zu verlieben, während sich bei Person B alles, was Partnerschaften betrifft, in beneidenswerter Harmonie entwickelt?

Wir könnten wahrscheinlich Fragen ohne Ende aneinanderreihen; wichtiger und spannender für uns ist aber: gibt es Antworten auf diese Fragen?:

In meinen Ausführungen, das möchte ich nicht verheimlichen, nehme ich Anleihen bei sehr klugen und erfahrenen Leuten, die nach Antworten auf diese Fragen nach der Liebe gesucht haben; Antworten, die mich inspiriert, oft auch irritiert haben; Antworten, die sich mit meinen Beobachtungen und Erfahrungen auch decken, Antworten, die gleichzeitig Lösungen beinhalten, die oft unbequem aber sehr wirkungsvoll sind.


Einige Mythen um Partnerschaft und Liebe


Ein guter Ansatz um den vielfältigen Facetten des Themas Partnerschaft und Liebe auf die Spur zu kommen ist es, zuerst einmal die Entlarvung und Benennung von Mythen und illusorischen Wunschvorstellungen, Mythen und Wunschvorstellungen die eine absolut todbringende Dosis an Gift für jede Beziehung in sich tragen:

Die amerikanischen Psychotherapeuten Tom Rusk und Randy Read benennen in ihrem Buch einige der verbreitetsten Mythen über die Liebe:

Wenn mein Partner mich wirklich lieben würde, würde er (respektive sie) mich verstehen, ohne daß ich irgendetwas erklären muß.  Ergo: nachdem ich nicht verstanden werde, ohne daß ich mich erkläre, liebt mich mein Partner nicht wirklich.


Oder: Wenn mein Partner mich lieben würde, würde er Dinge für mich tun, ohne daß ich danach frage oder darum bitte. Schlußfolgerung: nachdem mir mein Partner nicht jeden Wunsch von den Augen abliest, liebt er mich nicht.


Oder: Wenn wir uns wirklich lieben würden, dürfte es keine Diskussionen oder Meinungsverschiedenheiten geben.

Das heißt im Klartext: da wir bezüglich Kindererziehung, diversen Anschaffungen etc, etc, nicht gleicher Meinung sind, lieben wir uns wohl nicht wirklich.


Noch ein Beispiel:

Wir kennen uns so gut, daß wir wissen, was der andere denkt und fühlt ohne daß wir uns weitere Gewißheit darüber verschaffen müssen. Das bedeutet wohl: Nachdem mein Partner über eine bestimmte Situation doch ganz anders empfindet oder denkt als ich angenommen habe, lieben wir uns wahrscheinlich doch nicht wirklich.


Der Mythos der romantischen Liebe


Am Schluß noch der verbreitetste Mythos, der uns gleichzeitig offenbart, wie unbedarft und oberflächlich sich unsere Gesellschaft mit dem Thema Liebe auseinandersetzt:

Dieser Mythos lautet: wir sind verliebt, schweben auf Wolke sieben und dieses Gefühl und dieser Zustand - das ist Liebe und diese Liebe ist für die Ewigkeit.

Diese Ewigkeit, dieses Gefühl der Verliebtsein dauert, laut amerikanischen Studien im Durchschnitt 6 Monate; eine Dauer von zwei Jahren wurde als maximale und äußerste Grenze festgesetzt.

Das Thema „Verliebtheit und romantische Liebe" müßte eigentlich eigens erörtert werden.

Lassen sie mich deshalb nur einige Eckpunkte bezüglich der Verliebtheit anführen, die von verschiedenen Psychotherapeuten in gleicher Weise beschrieben werden:


So wie der  Säugling keine Unterscheidung zwischen dem Ich und dem Du trifft, tun es auch Verliebte nicht. Es gibt keine Grenzen und keine Trennung. Es gibt keine eigene Identität. Die Erfahrung des Verliebtseins und die ersten Kindheitserfahrungen liegen sehr eng beieinander. Scott Peck spricht deshalb im Zusammenhang mit der Verliebtheit sogar von einer Regression, einen Rückfall in frühkindliches Verhalten, Das Wesentlichste an der Verliebtheit ist ein plötzlicher Zusammenbruch eines Teiles der Ichgrenzen eines Individuums.

Die Psychologin Dorothy Tennov trifft eine deutliche Unterscheidung zwischen dem Gefühl der Verliebtheit und der sogenannten wahren Liebe und tut dies vor allem auch dadurch, daß sie dem Gefühl des Verliebtseins die Bezeichnung Liebe verweigert. Sie hat einen neuen Begriff kreiert um diesen Zustand des Verliebtseins zu beschreiben: sie spricht von Limeranz.

Scott Peck erwähnt drei Eigenschaften des Verliebtseins, die Sie von der Liebe, die wir in unserem Leben suchen, unterscheiden:

  1. Beim sich verlieben handelt es sich nicht um einen Akt der freien Willensentscheidung..
  2. Beim Verliebtsein handelt es sich nicht um wahre Liebe, weil wir nichts dafür tun müssen. Was immer wir in diesem Zustand anstellen, es bedarf nicht unserer Disziplin und Anstrengung.

Und 3.) ist der Verliebte nicht an der persönlichen Entwicklung des anderen interessiert. Wir sind ja bereits am Ziel; der Höhepunkt unseres Lebensglücks ist erreicht. Wenn wir verliebt sind, ist es uns nicht wichtig, ob wir uns weiterentwickeln.


Liebe ist keine Frage des Gefühls


Ich kann eine Sache auch durch sein Gegenteil definieren, und das Verliebtsein scheint in einigen Wesenszügen Charakteristiken aufzuweisen, die das Gegenteil von dem sind, was wir dem Begriff wahre Liebe zuschreiben.

Scott Peck definiert zum Beispiel Liebe so: Liebe ist der Wille, das eigene Selbst auszudehnen, um das eigene spirituelle Wachstum oder das eines anderen Menschen zu nähren.

Liebe ist in erster Linie nicht eine Frage des Gefühls. Liebe ist auch nicht mühelos, sondern mit Einsatz verbunden. Das Wort Liebe in seiner eigentlichen Bedeutung ist kein Substantiv sondern ein Verb. Liebe ist das, was Liebe tut. Liebe ist also ein Willensakt - nämlich sowohl eine Absicht als auch ein Handlung. Wollen beinhaltet auch eine Wahl. Wir müssen nicht lieben, wir entscheiden uns zu lieben.

Dem Verliebtsein muß unweigerlich die Entliebung folgen. Dann ist der Punkt erreicht, wo wahre Liebe entstehen und wachsen, wo Partnerschaft im eigentlichen Sinne beginnen kann.

Es ist nicht meine Absicht, nach diesem Vortrag mehr Fragen im Raum stehen zu haben als vorher, aber eine Frage werde ich doch stellen ohne sie direkt zu beantworten. Dies überlasse ich jedem einzelne. Diese Frage lautet:

Könnte die verzweifelte, ja fast gierige Suche nach dem Verliebtsein eine der Hauptursachen für die zahlreichen kleinen und großen Beziehungstragödien im Leben vieler Menschen sein? Beziehungstragödien, die sich vielleicht in unserem eigenen Leben oder um uns herum abspielen. Kann diese extreme Fixierung auf das sich verlieben möglicherweise so sehr unsere Aufmerksamkeit und Energien absorbieren, daß für die wirkliche Liebe und damit erfüllende Partnerschaft gar kein Platz mehr ist?


Ernüchternde Statistiken


Zum Abschluß dieses Diskurses über das Verliebtsein noch eine kleine Statistik.

40% der Erstehen werden geschieden;

was denken Sie wie viele der Zweitehen enden vor dem Scheidungsrichter? Es sind 60%.

Und wie sieht es bei den Drittehen aus? 75% aller Drittehen werden wieder geschieden.


Diese Statistiken scheinen eine weitere Vorstellung, der sich vor allem junge Leute gerne hingeben, als Mythos zu entlarven: die Idee von der Notwendigkeit, einschlägige Erfahrungen zu sammeln. So nach dem Motto: habe ich 5 oder zehn verschiedene Beziehungen mit gewissermaßen quasi oder sogar de-facto Scheidungen durchgemacht, bin ich Experte in Sachen Partnerschaft, Liebe und Lebensglück. Die Realität legt eine ganz andere Deutung nahe: das Festhalten an der fixen Idee der romantischen Liebe, die mir sozusagen in den Schoß fällt, ohne mir Leistungen, Reife, Entscheidungen oder Opfer abzuverlangen, läßt mich in einen Teufelskreis von Verlieben und Entlieben eintreten. In mir wächst letztlich nur ein Erfahrung, die schließlich zu einem fast  unverrückbaren Berg wird: die Erfahrung, daß ich es anscheinend nicht wert bin, von jemandem selbstlos und beständig geliebt zu werden. Ich habe nicht den Weg zu einer reifen Partnerschaft gefunden, sondern zu einer vielleicht existenzbedrohenden Identitätskrise.


Was ist Liebe?


Wenden wir uns nun der zentralen Frage dieses Vortrages zu: wie kann Partnerschaft gelingen? Von welcher Liebe sprechen wir, welche uns die rauhen Winde, ja manchmal Stürme des Alltags überstehen hilft?

In Form von einigen statements möchte ich diese Liebe, von der ich jetzt sprechen möchte, beleuchten:

Noch einmal zur Erinnerung Scott Peck: Liebe ist der Wille, das eigene Ich auszudehnen, um das eigene spirituelle Wachstum oder das einer anderen Person zu nähren. Liebe ist nicht mühelos, sondern mit Einsatz verbunden. Liebe ist das, was Liebe tut. Liebe ist in erster Linie ein Willensakt.

Kurt Tepperwein schreibt: Das große Glück finde ich nicht dadurch, daß ich Liebe von meinem Partner bekomme, sondern dadurch, daß ich die eigene Fähigkeit optimiere, Liebe zu empfangen und zu verschenken. In dieser Kunst zu lieben liegt der ganz Sinn des Lebens.

Es geht also nicht in erster Linie darum, daß ich dieser erfüllenden Liebe nachjage und sie zu fassen versuche, wo immer ich ihrer habhaft werden kann, sondern daß ich in mir die Voraussetzungen schaffe, daß diese Liebe ungehindert fließen kann. Wenn die atmosphärischen Bedingungen richtig sind, erscheint ein Regenbogen automatisch. So ist es mit der Liebe. Durch das Verstehen und Praktizieren bestimmter Gesetzmäßigkeiten können wir den Rahmen schaffen, in dem Liebe gedeihen kann. Die Idee, daß Liebe keine Laune des Schicksals ist, die dem einen begegnet und den anderen übersieht, ist bereits von Erich Fromm überzeugend und weitest publiziert verbreitet worden. Liebe - eine Kunst, die es zu erlernen gilt und in diesem Erlernen liegt wie Tepperwein z. B. ausdrückt, der ganze Sinn des Lebens.


Ein letzter Mythos, den wir vielleicht noch zur Strecke bringen müssen ist der, daß gute Absichten allein das Gelingen einer Partnerschaft garantieren. Zweifelsohne sind gute Absichten und die ehrliche Sehnsucht, eine Partnerschaft erfolgreich zu gestalten eine wichtige Voraussetzung. Ich bin aber überzeugt, daß auch Ehen und Partnerschaften gescheitert sind, bei denen es an diesen Voraussetzungen von vornherein nicht gefehlt hat.


Ein gefüllter Liebestank


Was beinhaltet diese Kunst des Liebens dann noch, was wir bisher vielleicht zu wenig beachtet haben?

Der amerikanische Eheberater und Geistliche Gary Chapman bereichert die Diskussion um das Thema wahre Liebe um eine äußerst interessante Sichtweise.

Auch er ist überzeugt, daß dauerhafte Liebe, die sozusagen unseren Liebestank stets gefüllt sein läßt, eine Liebe aus dem Verstand und dem Willen ist. Das ist die Liebe, die wir lernen, die wir steuern, zu der wir uns entschließen können.


Gary Chapman verwendet gerne dieses Bild des Liebestankes, den ein jeder von uns besitzt.

Wohl oder Wehe unseres Lebens hängen davon ab, wie sehr oder wie wenig dieser Liebestank gefüllt ist.

Seine langjährige Erfahrung als Eheberater hat in schließlich zu der Einsicht gebracht, dass die Inhalte mit denen diese Liebestanks gefüllt werden müssen, bei den einzelnen Menschen unterschiedlich sind. Und genau an diesem Punkt ist unser Verstand, unsere Weisheit, unsere Lernfähigkeit und Reife gefordert. Müssen die Gesten oder Verhaltensweisen meines Partners, durch die ich seine Liebe für mich empfinde, genau die gleichen sein, durch die er meine Liebe empfindet?

Chapman spricht davon, daß es Sprachen der Liebe gibt. Er unterscheidet 5 grundlegende, auf die ich noch kurz eingehen werde.

Wenn wir uns dieses Verständnis um die Eigentümlichkeit von Liebe zu eigen machen, kommen wir, davon bin überzeugt, dem Geheimnis einer glücklichen Partnerschaft ein großes Stück näher. Einer Partnerschaft, die nicht nur nicht stagniert, sondern die das Potential hat, immer erfüllender und beglückender zu werden.


Wir können also davon ausgehen, daß Menschen entsprechend ihrer persönlichen Disposition (Charakter, Lebenserfahrung) aber vor allem auch aufgrund der Erfahrungen in der Kernfamilie, eine bestimmte Neigung, eine Tendenz entwickeln, was sie als Ausdruck von Liebe verstehen und empfinden.

Meinen 12-jährigen Sohn zu knuddeln mag zwar für mich ein Ausdruck von Liebe sein, er würde es aber als lästig und unangenehm empfinden. Meiner kleinen Tochter hingegen den Gute-Nacht-Kuß oder eine herzliche Umarmung zu verweigern, würde in ihr die Frage hochkommen lassen, warum Papa heute so abweisend ist.

Bereits unsere Kinder lehren uns diese unterschiedlichen Liebesarten und Liebesbedürfnisse.

Diese zu übersehen und in der Folge ihre Erfüllung, wenn auch nicht bewußt, zu verweigern, ist ein Akt der Lieblosigkeit.


Die Wichtigkeit beständiger Beziehungen


Von Kindern wissen wir, daß ihre emotional, seelische Entwicklung von verbindlichen, beständigen Beziehungen abhängig ist.

In einer Atmosphäre der Unzuverlässigkeit, in der sie ständig in der Angst vor dem Verlassenwerden leben müssen, können sie schwerlich zu persönlicher Reife heranwachsen. Daher ist dieses Urvertrauen, das ein Kind in den ersten Jahren aufbauen kann, so wichtig für das spätere Leben. Wer dieses Urvertrauen in sich nicht hat, kann sich auch später nie völlig und ganz geben, ist nicht in der Lage, die eigenen Grenzen zu erweitern, ja letztlich wahrhaft zu lieben. Das heißt, wir werden uns sehr schwer tun, die Sprache der Liebe zu erlernen, mit der wir den Liebestank unseres Partners füllen können; wir werden uns auch schwer tun, herauszufinden, mit welcher Sprache der Liebe wir angesprochen werden wollen, damit unser Liebestank gefüllt wird.


An dieser Stelle möchte und muß ich ein Plädoyer für die Institution der Ehe abgeben: auch die Reifung der Liebe innerhalb der Partnerschaft von Mann und Frau ist von beständigen Beziehungen abhängig. Paare können nicht auf gesunde Weise die Probleme in ihrer Beziehung lösen, wenn sie Angst haben müssen, daß die Beziehung durch die bloße Bearbeitung und Erörterung dieser Probleme zerstört werden kann. Eine verbindliche Beziehung, wie es die in einer Ehe ist, gibt uns letztlich die Möglichkeit, unser wahres Mann- oder Frau Sein zu verwirklichen.   


Die fünf Sprachen der Liebe


Lassen sie mich abschließend und zusammenfassend nach diesen mehr theoretischen Überlegungen  noch kurz die verschiedenen Sprachen der Liebe behandeln. Diese Sprachen der Liebe hält Gary Chapman für die grundlegenden Formen, wie wir Liebe empfinden und wie wir Liebe geben.

Ein Problem dem wir uns des öfteren gegenübersehen: die Art, auf die wir Liebe empfinden, halten wir oft für die einzige oder beste Sprache der Liebe, um unserem Partner Liebe zu geben. Zu verstehen, daß dies nicht unbedingt so sein muß, und sich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse des Partners einzustellen, ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen einer Partnerschaft:


Lob und Anerkennung


Lob, Anerkennung und Ermutigung hält Gary Chapman für die erste der Weltsprachen der Liebe. Schon Salomon wußte: Kummer im Herzen des Mannes drückt es nieder, aber ein gutes Wort erfreut es.  Komplimente, die vom Herzen kommen, sind sehr gute Kommunikatoren der Liebe.

Gerade in unsere westlichen, so sehr auf den analytischen, kritischen Verstand bauenden Zivilisation, sollten wir diese Sprache der Liebe mehr beherzigen. Streßsymptome, Versagensängste, wachsende psychische Probleme vieler Menschen sind Ausdruck von Beziehungen, in denen vergessen wird, daß Liebe Freundlichkeit, Höflichkeit, Lob und Ermutigung beinhaltet.


Zweisamkeit


Über die zweite Weltsprache der Liebe kann ich aus eigener Erfahrung einiges berichten.

Während es mir nicht schwerfällt, beharrlich und ausdauernd zu schweigen, und ich sehr gerne Freizeitaktivitäten allein unternehme, wünscht sich meine Frau mehr Zweisamkeit.

Zweisamkeit - „Zeit nur für Dich und mit Dir" ist wahrscheinlich ihre bevorzugte Sprache der Liebe.

Wichtig an der Zeit, die man bewußt mit dem anderen verbringt, ist die Zuwendung. Allein auf die räumliche Nähe kommt es nicht an... Zweisamkeit heißt ungeteilte Aufmerksamkeit.

Ich erinnere mich an Situationen wo ich meine Aufmerksamkeit zwischen einer Sportsendung und Kommunikationsversuchen meiner Frau teilen mußte. Mein unuberhörbares „PSSST...." muß doch sehr verletzend für jemanden sein, dem diese Zweisamkeit sehr wichtig ist.


Es ist nicht immer der Umfang an Zeit, den wir dem geliebten Menschen widmen, sondern die Qualität der Aufmerksamkeit und Zuwendung, die diese Zweisamkeit zu einer Erfahrung der Liebe für jenen werden läßt, dem diese Sprache der Liebe besonders wichtig ist.


Geschenke, die vom Herzen kommen


Geschenke, die vom Herzen kommen, werden von vielen Menschen als deutlicher Ausdruck dafür empfunden, daß man sie liebt.

Wenn ich jemanden beschenke, dann beschäftige ich mich gedanklich mit ihm. Das Geschenk ist ein Symbol für dieses Gedenken. Da spielt es oft nicht einmal eine Rolle, ob das Geschenk teuer oder preiswert oder vielleicht sogar etwas selbstgebasteltes ist.

Wenn die Muttersprache der Liebe ihres Partners das Schenken ist, dann können wir mit etwas Phantasie und Aufmerksamkeit lernen, auch immer das Richtige zu finden.

Chapman vertritt die Auffassung, daß diese Sprache der Liebe besonders leicht zu lernen ist.


Hilfsbereitschaft


Hilfsbereitschaft ist eine weitere Sprache der Liebe, nach deren Klang sich viele sehnen.

Man ist dazu bereit, hilfsbereit zu sein, weil der Ehepartner es sich wünscht. Man möchte dem anderen eine Freude machen, indem man ihm einen Dienst erweist. Das ist ein Ausdruck von Liebe.

Die Liebessprache der Hilfsbereitschaft in einer Ehe zu erlernen, mag für einige Menschen bedeuten, daß sie ihre klischeehaften Vorstellungen von der Rolle von Mann und Frau überdenken, obwohl es natürlich heute kein so starkes, allgemein anerkanntes Rollenverhalten von Mann und Frau mehr gibt. Staubsaugen, Geschirrspülen oder Windelwechseln mag nicht unbedingt unseren männlichen Neigungen entsprechen, wenn es aber die Sprache ist, durch die wir unserem Partner unsere Liebe signalisieren können, ist es allemal eine lohnende Investition.


Zärtlichkeit


Kommen wir zur fünften Sprache der Liebe:

Entwicklungspsychologen sind zu folgender Erkenntnis gelangt: Kleinkinder, die in den Arm genommen, geherzt und geküßt werden, entwickeln sich seelisch gesünder als Kinder, die längere Zeit ohne körperlichen Kontakt auskommen müssen.

Weise Eltern sind zärtliche Eltern - das hat im Übrigen für alle Kulturen Gültigkeit.

Zärtlichkeiten sind auch ein ausgezeichnetes Medium für die Liebe zwischen Mann und Frau in der Ehe.

Berührungen können eine Beziehung knüpfen oder zerstören. Zum Beispiel tut keinem Kind ein Schlag ins Gesicht gut, aber es ist ein niederschmetterndes Erlebnis für das Kind, das die zärtliche Zuwendung seiner Eltern als Sprach der Liebe deutet. Eine zärtliche Umarmung sagt jedem Kind, daß es geliebt wird. Aber sie ist eine kaum zu überbietende Liebesbekundung für das Kind, das die Liebessprache der Zärtlichkeiten spricht. Dasselbe gilt natürlich auch für Erwachsene.


In jeder Gesellschaft kennt man sittliche und unsittliche Berührungen zwischen den Geschlechtern. Innerhalb der Ehe entscheidet dann das Ehepaar was angemessen ist und was unangemessen ist. Es gibt allerdings auch Grenzen - Gewaltanwendung wird eigentlich in allen Kulturen geächtet.

Vielleicht noch eine wichtige Randbemerkung zur sexuellen Beziehung von Mann und Frau, die natürlich einen wesentlichen Aspekt dieser Sprache der Liebe darstellt:



Offene Ehe als Irrweg


Wir leben in einem Zeitalter der sexuellen Freizügigkeit. Die Familienföderation vertritt die Überzeugung, daß  unser tiefsitzendes Verlangen nach Liebe und Vertrautheit sich dagegen sträubt, unserem Partner solche Freiheiten einzuräumen. Die offene Ehe mit der Freiheit zum Seitensprung ist ein Irrweg. Der seelische Schmerz sitzt tief und das Gefühl der Geborgenheit geht uns verloren, wenn wir erfahren, daß sich unser Partner mit jemand anders sexuell eingelassen hat.

Chapman schreibt: Die Ordner von Eheberatern sind voll von Berichten von Männern und Frauen, die den mühsamen Kampf gegen das Trauma eines Seitensprunges aufgenommen haben.

Durch solch ein Verhalten, wird der Liebestank des andern nicht nur völlig geleert, er wird gewissermaßen zu Explosion gebracht. Es kostet sehr viel Mühe und Geduld, bis alles wiederhergestellt ist.


Noch ein Punkt zur Sexualität, der vielleicht speziell uns Männer betrifft - das Verlangen nach körperlicher Liebe ist beim Mann im Durchschnitt stärker als bei der Frau, weil es auch mehr physisch bedingt ist. Bei Frauen hingegen ist das körperliche Verlangen meist wenig ausgeprägt, vor allem wenn das Gespür für emotionale Nähe fehlt. Beim Mann kann zwar der Wunsch nach dem Geschlechtsakt sehr stark sein, dies allein wird aber niemals das Bedürfnis stillen, von der Partnerin geliebt zu werden. Mit anderen Worten - Sexualität kann niemals ein befriedigender Ersatz für emotionale Nähe und tiefer Verbundenheit sein.

Chapman bemerkt dazu: Wenn beide die Liebessprache des anderen verstehen und ihre Liebestanks gefüllt sind, wird die Sexualität in ihrer Beziehung keiner besonderen Pflege bedürfen. Sexualprobleme in der Ehe entstehen selten, weil man die Technik nicht beherrscht, oder auch die sexuellen Bedürfnisse unterschiedlich sind, sondern fast immer, weil die Seele Mangel leidet.


Was ist ihre persönliche Sprache der Liebe; die, welche sie selbst sprechen und die, mit der sie angesprochen werden wollen? Das herauszufinden und über diese Erkenntnis auch mit dem Partner zu kommunizieren, ist möglicherweise ein wichtiger Schritt zu einer erfüllenderen Partnerschaft.


Zum Abschluß sozusagen als Hilfestellung drei Fragen, die uns nach Chapman der Antwort näherbringen, was unsere persönliche Sprache der Liebe:

  1. Was kränkt uns besonders am Verhalten unseres Partners? Das Gegenteil davon ist wahrscheinlich ihre persönliche Liebessprache?
  2. Was erbitten wir besonders häufig von unserem Partner? Das was wir am häufigsten erbitten, ist wahrscheinlich für uns auch der unmißverständlichste Liebesbeweis.

Und:

  1. Auf welche Weise bekunden Sie ihrem Partner Ihre Liebe? Die Ausdrucksmittel, die Sie benützen, würden wahrscheinlich auch Ihnen die Botschaft vermitteln, daß sie sich geliebt fühlen können.


Ich wünsche Ihnen eine spannende Suche nach Ihrer Sprache der Liebe und eine erfüllende und beglückende Partnerschaft und Ehe. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.